WAS UNS LEITET

Die umfassende Entwicklung des Menschen und sein Leben in Würde steht für uns im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns.

Wir gehen vom Prinzip der unteilbaren Solidarität aus und wollen mit allen Menschen daran arbeiten, Armut und Ausgrenzung in der Welt zu überwinden, die Globalisierung sozial zu gestalten und den Dialog der Kulturen und Religionen zu fördern.

Unteilbare Solidarität – was ist das?
Der Begriff der Solidarität – von vielen gebraucht und von manchen missbraucht – steht in einem untrennbaren Zusammenhang zu den vielen Gesichtern der Armut. Arme Menschen leben in allen Staaten der Erde, insbesondere aber in den Ländern des Südens und Osteuropas. Ihnen, ihren Lebensmöglichkeiten, ihrem Selbsthilfepotential, ihren Chancen und Grenzen gilt das besondere Interesse unserer Arbeit. Sie stehen im Mittelpunkt der Exposure- und Dialogprogramme.

Unteilbare Solidarität bedeutet  Verantwortung der menschlichen Gemeinschaft, die Wahrnehmung unveräußerlicher Menschenrechte aller Menschen, auch den Ärmsten zu ermöglichen. Praktizierte Solidarität ist also nur dann wirklich unteilbar, wenn sie sich nicht allein auf die eigene soziale und kulturelle Gruppe, die eigene politische oder ökonomische Klasse, die eigene ethnische oder nationale Bevölkerungsgruppe, das eigene Geschlecht oder die Angehörigen der eigenen Religion oder Konfession bezieht, sondern auf alle Menschen.


Unteilbare Solidarität
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1. Solidarität in der Perspektive der Katholischen Soziallehre bzw. der Christlichen Sozialethik

„Die Internationale Soziale Frage kann ohne weltweite Solidarität nicht gelöst werden. Neue Allianzen dieser Solidarität sind nötig, um den Entwicklungsprozess voranzutreiben, nicht zuletzt auch um die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu beseitigen. Die Kirche bekennt sich zu einer ‚vorrangigen Option für die Armen’.“

So hat die deutsche Kommission Justitia et Pax die Bedeutung des Solidaritätsprinzips in Gerechtigkeit für alle (Bonn 1991, S. 29) beschrieben. In diesem Verständnis ist: „Christliche Solidarität […] in der gleichen Würde und Berufung aller Menschen begründet. Sie stellt keine Vorbedingungen und widersetzt sich einer Eingrenzung auf Gleichgesinnte und Bundesgenossen. Christliche Solidarität an der Seite der Armen ist Konsequenz unseres Glaubens und zugleich der Ort, an dem sich unsere Identität als Christen und als Kirche herausbildet“ (ebd. S. 49).

Gelebte Solidarität ist auch ein Leitmotiv der Arbeit der kirchlichern Hilfswerke Adveniat, Caritas International, Kindermissionswerk, Misereor, Missio und Renovabis.

Für Menschen, die sich mit den Fragen von weltweiter Ungerechtigkeit und Armut beschäftigen, erschließen die sozialethischen Aussagen der Kirche einen weiteren Zugang zum Verständnis von unteilbarer Solidarität.

Im Folgenden beispielhafte Auszüge aus: "Die Soziale Agenda, Artikel 4: Die soziale Ordnung, Kap. III –Solidarität", wo die Katholische Soziallehre, vorzugsweise aus den so genannten Sozialenzykliken, dargestellt wird:

126. [Solidarität] ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das "Gemeinwohl" einzusetzen, das heißt für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich sind. Eine solche Entschlossenheit gründet in der festen Überzeugung, dass gerade jene Gier nach Profit und jener Durst nach Macht, von denen bereits gesprochen wurde, es sind, die den Weg zur vollen Entwicklung aufhalten. Diese Haltungen und "Strukturen der Sünde" überwindet man nur neben der notwendigen Hilfe der göttlichen Gnade mit einer völlig entgegengesetzten Haltung mit dem Einsatz für das Wohl des Nächsten zusammen mit der Bereitschaft, sich im Sinne des Evangeliums für den anderen zu "verlieren", anstatt ihn auszubeuten, und ihm zu "dienen", anstatt ihn um des eigenen Vorteils willen zu unterdrücken.
(Sollicitudo Rei Socialis, Nr. 38)

127. Im Geist der Solidarität und mit den Mitteln des Dialogs werden wir den Respekt lernen: für jede menschliche Person, für die echten Werte und Kulturen anderer, für ihre berechtigte Autonomie und Selbstbestimmung; im selben Geist werden wir lernen, über uns selbst hinaus zu blicken, um das Wohl anderer zu verstehen und zu fördern, mit unseren eigenen Möglichkeiten in sozialer Solidarität beizutragen zu Entwicklung und Wachstum, wie Billigkeit und Gerechtigkeit sie fordern, die Strukturen zu schaffen, die sicherstellen, dass soziale Solidarität und Dialog die bleibenden Merkmale der Welt, in der wir leben, sein werden.
(Botschaft zum Weltfriedenstag, 1986, Nr. 5)

128. Die Pflicht zur Solidarität unter den Menschen besteht auch für die Völker. "Es ist eine schwere Verpflichtung der hoch entwickelten Länder, den aufstrebenden Völkern zu helfen" (GS, Nr. 86). Diese Lehre des Konzils muss in die Tat umgesetzt werden. Wenn es auch richtig ist, dass jedes Volk die Gaben, die ihm die Vorsehung als Frucht seiner Arbeit geschenkt hat, an erster Stelle genießen darf, so kann trotzdem kein Volk seinen Reichtum für sich allein beanspruchen. Jedes Volk muss mehr und besser produzieren, einmal um seinen eigenen Angehörigen ein wahrhaft menschenwürdiges Leben zu gewährleisten, dann aber auch, um an der solidarischen Entwicklung der Menschheit mitzuarbeiten. Bei der wachsenden Not der unterentwickelten Länder ist es durchaus in der Ordnung, dass die reichen Länder einen Teil ihrer Produktion zur Befriedigung der Bedürfnisse der andern abzweigen; und ebenso, dass sie Lehrer, Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler ausbilden, die ihr Wissen und Können in den Dienst der anderen stellen.
(Populorum Progressio, Nr. 48)

129. Um die heute verbreitete individualistische Denkweise zu überwinden, braucht es ein konkretes Bemühen um Solidarität und Liebe, das in der Familie beginnt mit dem Rückhalt, den die Eheleute einander geben, und dann mit der Sorge der Generationen füreinander. Auf diese Weise qualifiziert sich die Familie auch als Arbeits- und Solidaritätsgemeinschaft.
(Centesimus Annus, Nr. 49)

130. Auf diesem Weg müssen wir alle solidarisch sein. Darum halten Wir es für unsere Pflicht, allen die gewaltige Bedeutung dieses Anliegens und die dringende Notwendigkeit der Aufgabe vor Augen zu stellen. Jetzt schlägt die Stunde der Tat: das Leben so vieler unschuldiger Kinder, der Aufstieg so vieler unglücklicher Familien zu einem menschlichen Leben, der Friede der Welt, die Zukunft der Kultur, stehen auf dem Spiel. Alle Menschen, alle Völker haben ihre Verantwortung zu übernehmen.
(Populorum Progressio, Nr. 80)

131. Die Übung von Solidarität im Innern einer jeden Gesellschaft hat ihren Wert, wenn sich ihre verschiedenen Mitglieder gegenseitig als Personen anerkennen. Diejenigen, die am meisten Einfluss haben, weil sie über eine größere Anzahl von Gütern und Dienstleistungen verfügen, sollen sich verantwortlich für die Schwächsten fühlen und bereit sein, Anteil an ihrem Besitz zu geben. Auf derselben Linie von Solidarität sollten die Schwächsten ihrerseits keine rein passive oder gesellschaftsfeindliche Haltung einnehmen, sondern selbst tun, was ihnen zukommt, wobei sie durchaus auch ihre legitimen Rechte einfordern. Die Gruppen der Mittelschicht ihrerseits sollten nicht in egoistischer Weise auf ihrem Eigenvorteil bestehen, sondern auch die Interessen der anderen beachten.
(Sollicitudo Rei Socialis, Nr. 39)

132. So erweist sich das Prinzip, das wir heute Solidaritätsprinzip nennen und an dessen Gültigkeit sowohl in der Ordnung innerhalb jeder einzelnen Nation als auch in der internationalen Ordnung ich in Sollicitudo Rei Socialis erinnert habe (vgl. SRS, Nr. 38-40), als eines der grundlegenden Prinzipien der christlichen Auffassung der gesellschaftlichen und politischen Ordnung. Es wird von Leo XIII. mehrmals unter dem Namen "Freundschaft" angeführt, ein Ausdruck, den wir schon in der griechischen Philosophie finden. Von Pius XI. wird es mit dem nicht weniger bedeutungsvollen Namen "soziale Liebe" bezeichnet. Paul VI. hat den Begriff mit den heutigen vielfältigen Dimensionen der sozialen Frage erweitert und von "Zivilisation der Liebe" gesprochen. (vgl. RN, Nr. 25; QA, Nr. 3; Paul VI., Homilie zur Schließung des Heiligen Jahres, 1975)
(Centesimus Annus, Nr. 10)

133. Die Solidarität hilft uns, den "anderen" -Person, Volk oder Nation- nicht als irgendein Mittel zu sehen, dessen Arbeitsfähigkeit und Körperkraft man zu niedrigen Kosten ausbeutet und den man, wenn er nicht mehr dient, zurücklässt, sondern als ein uns "gleiches" Wesen, eine "Hilfe" für uns (vgl. Gen 2, 18-20), als einen Mitmenschen also, der genauso wie wir am Festmahl des Lebens teilnehmen soll, zu dem alle Menschen von Gott in gleicher Weise eingeladen sind.
(Sollicitudo Rei Socialis, Nr. 39)

Quelle:„ Die Soziale Agenda, Artikel 4: Die soziale Ordnung, Kap. III –Solidarität", aus: http://www.thesocialagenda.org/deutsch/

 

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2. Solidarität in der Perspektive der Deutschen Bundesregierung

Das Prinzip der unteilbaren Solidarität kommt u.a. im Aktionsprogramm 2015 der Deutschen Bundesregierung zum Ausdruck. Die deutsche Politik stellt sich damit hinter die Erklärung der Vereinten Nationen und des so genannten Milleniumgipfels, die verschiedenen Internationalen Entwicklungsziele, insbesondere das Ziel der Halbierung weltweiter Armut, bis zum Jahr 2015 umzusetzen.

In den Aussagen der Bundesregierung wird Solidarität in den Kontext einer armutsorientierten Entwicklungspolitik gestellt. Diese Politik wird umschrieben mit dem Begriff „soziale Verantwortung“. Armutsbekämpfung ist zwar nicht „nur sozial“, sondern auch „vernünftig“, denn sie dient nicht zuletzt unseren eigenen Interessen. In der Veröffentlichung zum Aktionsprogramm 2015 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wird Armutsbekämpfung als eine internationale, d.h. alle Grenzen überschreitende Gemeinschaftsaufgabe verstanden.

Daher ist Armutsbekämpfung auch als (wirtschafts-) politisches Instrument eine Aufgabe unteilbarer Solidarität. Sie ist Aufgabe aller am Gemeinwohl orientierten Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen und Institutionen, nicht nur der Regierungen in den armen Ländern, sondern auch von jedem und jeder Einzelnen – auch den Armen selbst.

Auszug aus BMZ, Aktionsprogramm 2015, S.1:

(...)

(...)

BMZ, Aktionsprogramm 2015, Vorwort:

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3. Solidarität in der Perspektive der Völkergemeinschaft

Die Unteilbarkeit der Solidarität ist von den Völkern der Erde in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" in einer Weise zum Ausdruck gebracht worden, dass sich die überaus große Mehrheit der Staaten – jenseits nationaler, kultureller und religiöser Verständnisse – nicht der Verantwortung entziehen kann, auch den Ärmsten die Wahrnehmung ihrer unveräußerlichen Menschenrechte zu ermöglichen. Diese Option – die unteilbare Solidarität in der Bekämpfung weltweiter Armut - wird insbesondere in Artikel 25 konkretisiert:

  • Das Recht auf einen Gesundheit und Wohlergehen gewährleistenden Lebensstandard.

Aber auch die hier aufgeführten Menschenrechte sind untrennbar mit einer weltweiten, praxisorientierten Solidarität gegenüber den Armen verbunden:

  • Das Recht auf Versammlungsfreiheit (Artikel 20)
  • Das Recht auf gesellschaftliche und politische Teilhabe an der Willensbildung, u.a. durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen (Artikel 21)
  • Das Recht auf soziale Sicherheit und der Wahrnehmung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte (Artikel 22)
  • Das Recht auf Arbeit und gerechte und gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, darin inbegriffen das Recht auf gewerkschaftliche Selbstorganisation (Artikel 23)
  • Das Recht auf Bildung und der vollen Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit- ein Recht, das den Zielen der Verständigung, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen, Rassen und Religionen und der Wahrung des (Welt-) Friedens zu dienen hat (Artikel 26)
  • Das Recht am kulturellen Leben frei teilzunehmen (Artikel 27).

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